Wir starten am 26.05. mit vier verschiedenen Fahrradtouren in die Saison 2021. Die Touren sind inspiriert durch das Buch „Fassadengeflüster“. Autor Arne Krasting nimmt die Gäste mit auf eine Zeitreise in die Weimarer Republik.
Das Buch „Fassadengeflüster. Berliner Bauten der Weimarer Republik“ stellt 75 bemerkenswerte Gebäude der 1920er Jahre vor. Zusammen mit Christian Tänzler von Visit Berlin hat Arne Krasting für das Buch auch vier Fahrradrouten entwickelt, die jetzt erstmals auch als geführte und moderierte Touren angeboten werden. Neben Hintergründen und Anekdoten zu den Gebäuden und ihren Bewohnern geht es auch um die architektonische Entwicklung Berlins in der wohl schillerndsten Phase der deutschen Geschichte.
Hier die vier Themen:
Tour 1: Von Badelust, Boxkämpfen und einem Dächerstreit. Fahrradtour durch Dahlem zum Wannsee
Tour 2: Von Eiern, Omnibussen und Förstern. Fahrradtour von Friedrichshain nach Köpenick
Tour 3: Von Dichterburgen, Hexenhäuschen und Zukunftsvillen. Fahrradtour von Charlottenburg nach Westend
Tour 4: Von Wohnstädten, Landhäusern und Klein-Hollywood.Fahrradtour vom Wedding nach Weißensee
Die Touren finden Sonntags statt. Termine sind auf der Website www.videosightseeing.de zu finden.
Die zweite - und erweiterte Auflage ist nun endlich da. Und sie ist wirklich erweitertet: Es gibt ein neues Vorwort mit Fotos, die dem Autor und Fotografen Arne Krasting besonders wichtig waren sowie ein weiteres Fahrradkapitel. Gerade im kommenden Sommer ist das Buch somit ein perfekter Begleiter oder sogar Wegweiser für eine Fahrradtour. Außerdem wurden viele Fotos ausgetauscht - insgesamt ist der "Look" deutlich heller.
In den nächsten Wochen werden wir von Zeitreisen Radtouren mit dem Autor anbieten - die "Touren zum Buch". Außerdem wird es hoffentlich im Spätsommer Lesungen und Präsentationen geben. Am 27. Mai signiert Arne Krasting bei Dussmann seine Bücher und freut sich auf Besuch.
Bei Interesse bestellen Sie das Buch gerne direkt bei uns: post@zeit-reisen.de - inklusive Widmung.

Kaum zu glauben: schon nach zwei Monaten muss eine zweite Auflage beauftragt werden. Das liegt auch an den begeisterten Reaktionen der Presse.
Kurz vor Weihnachten haben wir das Buch „Fassadengeflüster“ druckfrisch aus der Druckerei in der Nähe von Magdeburg geholt. So können wir noch einige Interessierte im alten Jahr glücklich machen. Anfang Januar kommt das Buch in den Buchläden an. Dann geht es Schlag auf Schlag: die ersten begeisterten Reviews auf verschiedenen Social Media Kanälen erreichen uns, bei Dussmann ist das Buch Mitarbeitertipp und die Presse meldet sich.
Der Titel, die geeignete Querformat-Ausgabe und die gut recherchierten Fakten zu den einzelnen Bauten ergeben in der Summe einen fantastischen Architekturführer Beim Betrachten (…) der Gebäude befiel mich ein Glücksgefühl, das Architektur regelmäßig bei mir hervorruft. (Karin Gierster, Dussmann)
Als erstes geht es zu RadioEins. Kulturedakteur Knut Elstermann, in Berlin bekannt als „Kino-King Knut“, lädt Autor Arne am 1. Februar 2021 in seine Sendung. Und die beiden sprechen dabei auch über die erfreuliche Tatsache, dass noch relativ viele Gebäuden aus der Weimarer Republik stehengeblieben sind. Das liegt auch daran, dass ein Großteil von ihnen am Stadtrand gebaut wurde, wo noch Platz war – und wo die Kriegsschäden nicht so groß waren. Hier der Beitrag zum Nachhören.
„Das Buch zeigt die Stadt von einer anderen Seite, es zeigt das, was nach dem Krieg übriggeblieben ist - ganz erstaunliche, wunderschöne Bauten, die man sich ansehen kann zu Fuß Für mich ist das eine Einladung, die Stadt zu erlaufen oder auch, hinten im Buch gibt es auch noch Touren, per Fahrrad. Tolle Fotos, sehr liebevoll gestaltet, nimmt das Buch mit auf eine Zeitreise“ (Knut Elstermann, RadioEins).
Dann der Adelsschlag: ein ganzseitiger Artikel im Tagesspiegel. Und der Artikel von Christoph Stollowsky macht anscheinend solche Lust auf das Buch, dass die Bestellungen an die Decke schießen. Buchläden aus ganz Deutschland rufen an, Kunden melden sich direkt beim Verlag, da die Großhändler gar nicht so schnell reagieren können. Nach einer weiteren Woche ist die erste Auflage weg. Nur ein paar Restexemplare lagern beim Verlag und beim Autor. Aber das ist die Chance für eine zweite Auflage. Eine erweiterte Auflage, für die einige Fotos ausgetauscht werden, das Vorwort ergänzt und eine neue Fahrradroute hinzugefügt wird. Mitte April ist die zweite Auflage dann fertig, wenn alles gut läuft.
In der Zwischenzeit ist die Presse aber weiter aktiv. Die MOZ berichtet am Sonntag, den 7. März über den „wunderschönen Bild-Text-Band": „Wohltuend verzichtet Krasting in seinem „Fassadengeflüster“ auf das ermüdende Aufzählen technischer Daten. Stattdessen konzentriert er sich in seinen kurzen, unterhaltsam formulierten Texten auf das Beschreiben der Architektur der Objekte. Und gibt Ereignisse, Anekdoten, Histörchen zum Besten. Hier ist er ganz in seinem Element des Stadtführers, des Autors, des Flaneurs. Nicht minder beeindruckend sind Krastings Fotografien. Seine Farbaufnahmen zeigen selten eine Totale oder das Bauwerk in Gänze. Vielmehr lenkt er den Blick des Betrachters auf Details, auf prägnante Segmente von Fassaden, auf Fenster, Figurenschmuck, Lampen, Eingangssituationen, Farbkontraste. So eröffnen sich neue Perspektiven.“
Und die erste Journalistenreisen werden organisiert. Schon dabei war Brigitte Jurczyk im Auftrag einer Schweizer Zeitung, die sich speziell für die Fahrradtouren interessierte. Und so haben Fahrradexperte Christian Tänzler und Arne Krasting den Südwesten vorgestellt, mit so fantastischen Gebäuden wie der Versuchssiedlung Schorlemerallee oder auch die Waldsiedlung Zehlendorf.
Wir freuen uns auf die zweite Auflage – und dann steht auch noch ein neues Projekt in den Startschuhen!
Unser Geschenk zum Jahresende:
„Fassadengeflüster: BERLINER BAUTEN DER WEIMARER REPUBLIK - ZEITREISEN MIT ARNE KRASTING“.
Dieses Jahr konnten wir nur wenigen Besuchern die Stadt und ihre besonderen Schätze vor. Umso mehr freuen wir uns, euch jetzt Geschichten und Bilder zu präsentieren aus dem Berlin zur Zeit der 1920er Jahre. Unser „rasender Reporter“ Arne Krasting hat die Zeit der Pandemie genutzt, und die 75 faszinierendsten Gebäude der Zeit aufgesucht – darunter Ikonen der Moderne wie das Shellhaus und den Funkturm, aber auch in Vergessenheit geratene Kleinode avantgardistischer Architektur.
Das „Fassadengeflüster“ beschreibt sie mit Fotografien von Arne und anekdotischen Texten. Dabei gibt es neue und unerwartete Eindrücke aus einer ganz persönlichen Perspektive, wobei ein Zeitschichten-Porträt wie aus Puzzleteilen entsteht. Ein immer wiederkehrender Bezugspunkt ist die Fernsehserie Babylon Berlin, der auch ein längeres Interview mit Uli Hanisch gewidmet ist. Das Vorwort ist von Joseph Hoppe (Berliner Zentrum für Industriekultur), dazu gibt es ausgewählte Radtouren von Christian Tänzler (visitBerlin).
Anfang 2021 kommt es in die Buchläden, so lange könnt ihr es schon direkt bei uns Zeitreisen bestellen und direkt im Büro in der Rudi Dutschke Straße 26 abholen.
Am 16. September startet mit „Goldstaub“ der neue Podcast zu den Zwanziger Jahren. Else Edelstahl und Arne Krasting nehmen die Hörer mit auf eine Zeitreise in die schillernde Zeit der Weimarer Republik.
Der Podcast behandelt die unterschiedlichen Facetten der Weimarer Republik: Literatur, Film, Politik, Wirtschaft, Alltagsleben. Der Podcast soll Interesse wecken und Lust machen auf eine Beschäftigung mit dieser faszinierenden Epoche. Die ersten Folgen widmen sich dem legendären Nachtleben in Berlin, der Körperhygiene und der Badekultur sowie dem Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm.
Initiatoren und Moderatoren des Podcast sind Else Edelstahl, die Gründerin der Veranstaltungsreihe „Boheme Sauvage“ und Arne Krasting, Historiker und Geschäftsführer der Agentur Zeitreisen. Beide eint seit Jahren die Leidenschaft für die Zwanziger Jahre.
Neben verschiedenen Rubriken wie dem „selten gewordenem Wort der Woche“ sowie dem „Veranstaltungstipp der Woche“ werden immer wieder Gäste eingeladen. In den ersten Episoden mit dabei sind z.B. die Schauspielerin Fritzi Haberlandt, der Regisseur Henk Handloegten, die Sängerin Anna Prohaska oder der Historiker Hanno Hochmuth.
BABYLON BERLIN
In der dritten Episode wird die ARD-Serie „Babylon Berlin“ ausführlicher vorgestellt. Die drei Regisseure Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten sind dazu als Gäste geladen.
Die Episoden werden über die Plattformen Spotify, Apple Podcasts und Deezer veröffentlicht. Alle zwei Wochen wird eine neue Episode eingespielt.
KONTAKT
Else Edelstahl und Arne Krasting
Tonfilm ist Kitsch! Tonfilm ist Einseitigkeit! Lehnt den Tonfilm ab! Fordert gute stumme Filme! Diese Forderung erklingt am …im ehemaligen Stummfilmkino Delphi in Weißensee, vorgetragen von den beiden Moderatoren des Abends: Else Edelstahl, der „Grande Dame“ der Boheme Sauvage, und Arne Krasting, Gründer von Zeitreisen. Applaus kommt von der Bühne, denn dort sitzen etwas mehr als ein Dutzend Musiker. Es ist das Metropolis Stummfilmorchester Berlin, das erste seiner Art in Berlin. Und um Stummfilme geht es diesen Abend bei der Filmshow „Berlin – Filmstadt der 20er Jahre“. Der Zuschauersaal ist leer – aber auf den heimischen Leinwänden können die Zuschauer einen fulminanten und abwechslungsreichen Abend erleben, ein buntes Pot Pourri aus Film, Musik und sogar Tanz.

Die Moderatoren Else Edelstahl und Asphalt-Arne
Das Theater im Delphi, von dem engagierten Nikolaus Schneider aus dem Dornröschenschlaf erweckt, ist natürlich eine grandiose Kulisse für diesen Abend. Eröffnet wurde es im November 1929 als Stummfilmkino. Aber damals startete der Tonfilm gerade durch, um dann recht schnell auf die Überholspur zu biegen und den Stummfilm schon im nächsten Jahr hinter sich zu lassen. Aber ein Stummfilmkino passt natürlich zu Weißensee, denn hier wurde seit 1919 Filmgeschichte geschrieben. Klein-Hollywood nennt man auch die Gegend rund um den heutigen Caligari-Platz. Mehrere Ateliers produzieren hier Stummfilme am laufenden Band. Auch der Klassiker „Das Cabinet des Dr. Caligari“ ist einen Steinwurf entfernt entstanden. Und noch viel früher, Ende des 19. Jahrhunderts, waren die Brüder Skladanowsky in der Gegend aktiv. Sie sind die großen Pioniere des Films in Deutschland, die erstmals Bilder zum Laufen brachten und dann im Wintergarten in der Friedrichstraße präsentierten. Als der Tonfilm dann seinen Siegeszug antritt, ist Weißensee längst abgehängt worden von den großen Studios in Babelsberg. Dort entsteht als einer der ersten Tonfilme im November 1929 „Der blaue Engel“ mit Marlene Dietrich.

Der wunderschöne Bogen, der die Bühne des Delphi umfasst
All dies ist Thema des Abends: Das Orchester spielt zu Ausschnitten der oben genannten Filme. Die Hintergründe mitsamt Anekdoten werden von Else Edelstahl und Arne Krasting kommentiert. Und auch der Blick über den Tellerrand wird gewagt: was wäre der Stummfilm ohne seine großen Stars, ohne Buster Keaton, den freundlichen Melancholiker? Und Charlie Chaplin, den ewigen Tramp? Beide waren auch in Berlin und wurden dort begeistert gefeiert. So sehr, dass Charlie Chaplin sogar fast seine Hose einbüßt. Das passiert unseren Damen natürlich nicht, denn die haben Charleston-Kleider an, bei ihrer kleinen Tanz-Performance. Daniela Vega kann allerdings nicht nur tanzen: sie ist Opernsängerin und interpretiert den Klassiker "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingespielt" in einer beeindruckenden Art und Weise.

Tänzerin und Opernsängerin Daniella Vega
Nach dem Abend ist klar: das Programm muss wiederholt werden, aber dann bitte mit Publikum! Bis das möglich ist, kann der ganze Abend hier noch einmal angeschaut werden.
Mit dabei neben dem Metropolis Orchester und dem Theater im Delphi: Die Bohème Sauvage mit Else Edelstahl, Arne Krasting von Zeitreisen, die Sängerin & Tänzerin Daniela Vega, die Tänzerin Jacky Lu, die Komponisten Richard Siedhoff, Robert Israel, Helmut Imig, und Lobster Films, die F.W.Murnau-Stiftung, Stefan Drößler und Filmmuseum München, Ries & Erler Musikverlag, Christel Strobel, Daniel Wandke photography, Nikolaus Schneider und Tilman Agueras…..
Ab dem 25. Mai sind touristische Veranstaltungen und Touren in Berlin wieder erlaubt. Die Auflage des Berliner Senats lautet: die Einhaltung von Mindestabständen und die Hygieneregeln sind zu beachten.
Wir starten in unsere "Saison" am Samstag den 30. Mai mit einer "Babylon Berlin Tour".
Folgende Maßnahmen bzw. Entscheidungen hat Zeitreisen dafür getroffen:
Es finden momentan ausschließlich Rundgänge statt. Unsere videoBustouren starten zu einem späteren Zeitpunkt, hier arbeiten wir mit unserem Busunternehmen noch an einem Sicherheitskonzept. Unsere videoTabletTouren sind wie die Bustouren aber auch multimedial angelegt.
Die maximale Teilnehmerzahl ist zunächst auf 5 Teilnehmer plus Guide beschränkt. Falls das gut funktioniert, werden wir Mitte Juni auf 10 Gäste erhöhen. So können die Mindestabstände eingehalten werden ohne dass die inhaltliche Qualität der Touren leidet.

Die ersten 50 Gäste bekommen kostenfrei eine Vintage-Maske gestellt. Die Masken sind exklusiv für uns von Kelly Zehe gestaltet worden. Kelly Zehe ist seit Jahren als Theater-Schneiderin aktiv und hat für zahlreiche Projekte im Bereich Film, Fernsehen und Theater gearbeitet. Auch für die Serie "Babylon Berlin". Unter dem Namen "Feine Schnitte" bietet sie maßgeschneiderte Bekleidung im Look der Zwanziger bis Fünfziger Jahre an. Für Zeitreisen hat sie ein exklusives Mund-Masken-Design entwickelt, welches an den Art-Déco Stil der Roarging Twenties und an den Film "The Great Gatsby" erinnert.

In Kürze können die Masken auch käuflich erworben werden, Bestellwünsche können Sie jetzt schon einmal an post@zeit-reisen.de schicken.
Ansonsten freuen wir uns auf Gäste, mit denen wir (Stil-)sicher auf Tour gehen können!
Da liegt Musike drin…so soll Architekt Hans Poelzig seine Studenten gelobt haben, wenn ihm ein Entwurf besonders gefällt. Hoffentlich hat Poelzig nicht mit Lob gespart bei dem Entwurf zum Wohnhaus in der Tannenbergallee. Verantwortlich ist nämlich seine Frau, Marlene Moeschken-Poelzig.
Video zum Beitrag hier.
Und die beiden ziehen mit ihren Kindern selbst in das Gebäude in Westend ein. Das Einfamilienhaus ist bei Journalisten heißbegehrt, über kaum ein Wohnhaus wird damals mehr berichtet. Und das liegt auch an der Architektin. „Frau Architekt“, das ist eine absolute Rarität in der Weimarer Republik. Das Haus in der Tannenbergallee, 1930 bezogen, gilt als eines der frühesten Architektinnenhäuser Deutschlands in einem fast frauenfreien Berufsfeld.

Marlene Moeschken lernt Hans Poelzig 1918 kennen. Poelzig hat zuvor in Breslau die Königliche Akademie für Bau- und Kunstgewerbe zu einer der modernsten Kunst- und Architekturschulen in Deutschland gemacht, dem „Bauhaus vor dem Bauhaus“. Nun steht in Berlin ein wichtiges Projekt an: die Verwandlung der alten Berliner Markthalle am Schiffbauerdamm in ein Schauspielhaus. Poelzig holt die junge, begabte Bildhauerin in sein Atelier und lässt sie die spektakulären Palmsäulen konstruieren (hier beeindruckende Bilder). Ein riesiger Erfolg: das Große Schauspielhaus, die „Tropfsteinhöhle“ der Berliner, macht europaweit als einzigartiges Baukunstwerk Schlagzeilen. In Folge ist Marlene immer wieder maßgeblich an Gebäuden von Poelzig beteiligt, so auch am Haus des Rundfunks in der Masurenallee.

Die Lampen im Haus des Rundfunks, gestaltet von Marlene Poelzig
Das Haus in der Tannenbergalle liegt nun in ihrer Verantwortung. Ob Ehemann Hans ihr bei der Planung über die Schultern schaute, ist nicht überliefert. Es gibt aber ein schönes Foto, daß die beiden mit Freunden und vor allem einigen Pullen Bier beim Richtfest zeigt. Die geheimen Wünsche der Kinder jedenfalls werden erfüllt: Das „Reich der Kinder“ ist absolut bemerkenswert. Gleichberechtigt zum Arbeitsbereich und nicht verbannt in das obere Stockwerk, führt der abgeschlossene Spielbereich für die drei Kinder vom Erdgeschoss direkt in den davor gelagerten Außenbereich, sogar mit einer Plansche. Raum zum Spielen, drinnen und in der Natur. Das gab in dieser Form bisher bei keinem Einfamilienhaus in Berlin. Überhaupt: Haus und Garten stehen in „stärkster Wechselbeziehung“ zueinander, die Grenzen zwischen Haus und Garten heben sich auf, wie begeistert ein Architekturmagazin nach Besichtigung des Hauses berichtet.

Die Plansche im Reich der Kinder. Terrasse und Garten gehen nathlos ineinander über - und am Ende des Gartens geht es in den Wald.
Nach dem Tod von Hans Poelzig und dem Auszug von Frau und Kindern bleibt das Haus ein Ort mit Ausrufezeichen. 1937 zieht Regisseur Veit Harlan ein und lässt sich einen Kinosaal einbauen. Ob er hier auch seinen Propagandafilm „Jud Süß“ privat uraufführte? Den Krieg übersteht das Haus unbeschadet. Die Schäden kommen in der Nachkriegszeit: Umbauten machen aus den modernen Flachdächern reaktionäres Walmdächer, das großzügige Atelier des Architekten wird in kleine Räume aufgeteilt, Fenster vergrößert.

Das Dach ist mit Planen abgedeckt, vor dem Haus liegt bereits Bauschutt. Gut zu erkennen auch das Walmdach und die kleinen Fenster, beides in den 50er Jahren ergänzt. @Arne Krasting
Aber der Grundriss, die Ausstattung und der Garten bleiben größtenteils erhalten. Und vor allem bleibt es das einzige Haus einer Architektin in der Weimarer Republik, der Wohnort eines besonderen Künstlerpaars sowie ein Ort, der für die Schattenseiten der Deutschen Geschichte steht.
Daher ist es traurig, nein, ein Skandal, dass der Denkmalschutz dieses Gebäude als nicht schützenswert erachtet. Der Abriss steht, Stand Mai 2020, kurz bevor, das Dach ist mit schützenden Planen bedeckt, Schutt liegt im Vorgarten. Vielleicht kann der Abriss noch gestoppt werden: eine Petition hat immer mehr Unterstützer gefunden. Hier der Link, zum Unterzeichnen, zum Teilen!
Medienrummel in der Schorlemmerallee: „Die Dame“ ist in Dahlem und hat ihren besten Fotografen mitgebracht. Das mondäne, freigeistige, avantgardistische Magazin der Moderne macht einen Hausbesuch bei Fritz Lang. Wir sind im Jahr 1932, drei Jahre nachdem Fritz Lang mit seiner Frau Thea von Harbou vom Hohenzollerndamm weiter in den Süden gezogen ist. Natürlich interessiert sich Fotograf Martin Munkács vor allem für das Interieur in dem Haus des Starregisseurs. Gibt es den Boxring im Wohnzimmer wirklich? Wo arbeitet das Künstler-Paar an neuen Projekten? Und ist die Hausbar wahrhaftig aus Kupfer?
Die Fotografien von Martin Munkács (hier eine Auswahl) werfen einen Blick in das Privatleben von Fritz Lang. Aber seine Home-Story zeigt nicht das eigentlich Bemerkenswerte der Straße am Breitenbachplatz. Das Haus von Fritz Lang gehört zur Versuchssiedlung der Brüder Hans und Wassili Luckhardt und ihres Partners Alfons Anker. Die drei, Mitglieder der progressiven Architektenvereinigungen „Der Ring“, kaufen sich hier 1924 Grund und Boden und bauen. In der Schorlemmerallee entsteht eine Spielwiese für neues Bauen, eine Experimentierfläche für neue Bautechniken und Baumaterialien.

Die Schorlemmerallee mit dem gepflegten Mittelstreifen. Auf der rechten Seite befinden sich der erste und zweite Bauabschnitt.
Ohne Bauherren, die an den Plänen rumnörgeln, ohne Investoren, die für die besten Rendite kämpfen, aber auch auf eigenes Risiko stellen die Architekten in den nächsten Jahren mehrere Reihenhauszeilen und Wohnhäuser fertig. Da die Häuser in mehreren Abschnitten gebaut werden, probieren die Architekten verschiedene Techniken aus. Zunächst schichten die Bauarbeiter noch Stein auf Stein, nach klassischer Mauerwerkstechnik. Aber 1927 folgt dann das Experiment: die Hausnummer 17B, ein etwas zurück gesetztes Atelierhaus, ist der erste Stahlskelettbau der Versuchssiedlung. Das Stahlskelett wird mit vorgefertigten Bimsbetonplatten geschlossen und die Fugen mit Spritzbeton ausgefüllt, eine neue Konstruktionsart. Als dritter und letzter Teil der Siedlung auf der anderen Straßenseite entsteht komplett in Stahlbeton eine radikal schnörkellose Häuserzeile.

Glasbausteinwände als Sichtschutz, farbig eingefasst: der letzte Bauabschnitt der Siedlung, Nr. 12-12c
Eine kleine, aber bemerkenswerte private Bauausstellung ist hier zu bewundern, beispielhaft für neue Konstruktionsweisen des Neuen Bauens. Die Architekten haben außen und auch in dem Raumprogramm innen neue Wege gefunden. Kubisch gestaffelte Baukörper mit Flachdach, keinerlei Dekor, bis auf ein paar rote Ziegelbänder alles in Weiß gehalten: Ästhetisch ist das Ergebnis sicherlich ein Schock für viele der Villen-Bewohner in Dahlem. Aber das stört die ersten Nutzer der Versuchssiedlung nicht. Und ist es nicht das beste Zeichen, wenn Architekten selbst in die Häuser einziehen, die sie bauen? Dicht beieinander, getrennt nur von dem gemeinsam genutzten und leicht zurückversetzten Atelierhaus, wohnen die Brüder Luckhardt und Alfons Anker.

Aber Fritz Lang ist natürlich der prominenteste Bewohner der kleinen Siedlung. Lang ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens und arbeitet gerade an dem Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“. Hier findet er in dem schlichten Bau optimale Arbeitsbedingungen. Und er hat einen Boxring, an dem er regelmäßig trainiert - sowie seine Kupferbar. Aber nur vier Jahre bleibt Fritz Lang hier wohnen, dann verlässt er Frau und Land, um in Amerika seine Karriere fortzusetzen. Heute hat ein Kieferorthopäde in dem Haus seine Praxis, Behandlungsstuhl statt Boxring. Aber das Haus daneben (Stand Mai 2020) steht zum Verkauf und wirbt mit dem prominenten Ex-Nachbarn. Wohnen in der Versuchssiedlung, damals wie heute wäre es einen Versuch wert - der Preis für das Haus ist von Anfangs 2 Millionen € auch bereits um einige Euro gesunken...

Früher Fritz Lang, heute ein Kieferorthopäde. Vier Jahre wohnte der Star-Regisseur am Breitenbachplatz.
Es sind große Zeiten für Karstadt. Zeiten der Superlative. Das Karstadt am Hermannplatz eröffnet 1929 als eines der modernsten und größten Kaufhäuser Europas. Die 89 Filialen und 29.000 Angestellten des Warenhauskonzerns Rudolf Karstadt AG sind europaweit unerreicht. Fehlt noch ein passendes Verwaltungsgebäude. Das stand nämlich eigentlich in Hamburg, wo der norddeutsche Konzern groß geworden ist. Aber die Berliner Stadtverwaltung lockte, in der Hoffnung auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen, und der Konzern folgte gerne, in der Hoffnung auf noch größere Umsätze.

Karstadt am Hermannplatz, 1929 eröffnet - das ist der erhalten gebliebene Gebäudeteil auf der südlichen Seite.
Und so bezieht Karstadt 1931 seine neue Hauptverwaltung, dicht an dem Platz, der in diesen Jahren seinen Ambitionen als Weltstadtplatz gerecht werden wollte: am Alexanderplatz. Neue Königstraße, so heißt damals die vornehme Adresse der neuen Karstadt-Zentrale. Der Architekt der neuen Zentrale kennt sich aus mit Karstadt. Was Hans Hertlein für Siemens war, Peter Behrens für die AEG, das war Philip Schaefer für die Rudolf Karstadt AG: Haus- und Hofarchitekt, Leiter der Bauabteilung, Chefplaner. Schon als 20jähriger ist Schaefer für den Bau eines Kaufhauses in Düsseldorf mitverantwortlich, bevor er 1920 zur Karstadt AG nach Hamburg wechselt. Hier baut er die große Zentrale des Konzerns nahe der zentralen Einkaufsstraße, der Mönckebergstraße. Dann geht’s nach Berlin - und es folgt das Meisterwerk. Wie ein steingewordener Kulissenbau aus dem Film Metropolis ragt das Karstadt am Hermannplatz aus dem Häusermeer zwischen Neukölln und Kreuzberg heraus. Philip nimmt mit seinen Werken Einfluss auf die Architektursprache des Warenhauses in ganz Deutschland. Meistens streng vertikal gegliedert, ähneln sie Hochhäusern aus New York und Chicago. Nicht alle schätzen diese himmelwärts strebende Architektur, gerade das Bauhaus betont die Horizontale als Form der Moderne. Ein „senkrechter Gewaltakt“ stellen diese „Unternehmensfestungen“ dar, so polemisiert Siegfried Kracauer gegen Schäfer.

Himmelwärts strebend. Das Verwaltungsgebäude am Alexanderplatz.
Das „Haus der Tausend Fenster“, wie das Verwaltungsgebäude in der Neuen Königstraße später auch genannt wurde, streckt sich über 177 Meter die Straße entlang und wirkt tatsächlich etwas einschüchternd. Es war damals das größte Bürogebäude der Stadt. Nicht nur als Bürohaus, auch als Lagerhaus dient der Karstadt-Block: gleich drei der neun Innenhöfe können mit Lieferwagen befahren werden. Zwanzig Lastenaufzüge bringen die Waren hoch und runter. Es muss schnell gehen, denn Karstadt will weiter expandieren. Aber dann kommt der Einbruch. Der Börsencrash in New York im Oktober 1929 zieht die ganze Weltwirtschaft in den Keller. Erst 1932 ist der Tiefpunkt erreicht. Und natürlich leidet auch Karstadt unter der Weltwirtschaftskrise.

Das Karstadt-Verwaltungsgebäude kurz nach der Eröffnung. Damals noch in voller Länge. Im Krieg wurde ein Gebäudeteil links vom Turm zerstört und nicht wieder aufgebaut. @Landesarchiv Berlin
Rudolf Karstadt, der von der Gründung ein halbes Jahrhundert lang das Unternehmen leitete, verliert fast sein gesamtes privates Vermögen. Nicht nur im Kaufhaus am Hermannplatz gibt es Leerstand, auch das gerade erst bezogene Verwaltungsgebäude in der Neuen Königstraße ist viel zu groß. Untervermietungen helfen nicht mehr. 1935 werden keine Waren, sondern Umzugskartons gepackt. Nach nur vier Jahren zieht der Konzern weiter, in ein kleineres Verwaltungsgebäude am Ferbelliner Platz, selbstverständlich entworfen von Philip Schäfer. Das große Comeback des Konzerns erfolgt dann allerdings in der Nachkriegszeit, der Wirtschafswunderzeit.

Die weitere „Karriere“ des Gebäudes an der Neuen Königsstraße ist spannend, aber nicht gerade glorreich. Als „Reichshaus“ beheimatet es das statistische Reichsamt, verantwortlich für die Judenzählungen im Nationalsozialismus. In der DDR findet die Polizei in dem beschädigten Gebäude einen Ersatz für ihre zerstörte „Roten Burg“, das Polizeipräsidium am Alexanderplatz. Eine Untersuchungshaftanstalt ist angegliedert.

Blick vom Innenhof auf das ehemalige Gefängnis, heute als Gedenkort zu besichtigen.
2010 zieht mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie eine ganz der Demokratie verpflichtete Institution ein. Nicht nur die politischen Systeme, auch der Straßenname ändern sich mehrfach. „Bernhardt-Weiß-Straße“, so heißt sie heute und ist eine Hommage an den Vize-Polizeipräsidenten in der Weimarer Republik, der 1934 nach London emigrieren musste.